Eine Meldung und ihre Geschichte

Ein 96-Jähriger rettet ein Leben – mit einem weltbekannten Handgriff, den er selbst erfand.

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Als ihn der Tod an ei­nem Mon­tag­abend Mit­te Mai noch ein­mal her­aus­for­dert, sitzt Hen­ry Heim­lich, 96 Jah­re alt, im Spei­se­saal sei­ner Se­nio­ren­re­si­denz in Cin­cin­na­ti, Ohio. Er plau­dert mit sei­nen Sitz­nach­barn über dies und das und ach­tet nicht wei­ter auf die Frau, die sich zu ih­nen an den Vie­rer­tisch ge­setzt hat.


DER SPIEGEL 25/2016

Was macht eigentlich?

Brams

 

 

 

 

Fast 20 Jahre lang spielte Viktoria Brams die Blumenhändlerin Inge Busch im Marienhof. Dann wurde die Serie eingestellt. Für den Stern fand ich heraus, was sie heute macht.

 

Eine Meldung und ihre Geschichte

Warum ein fünfjähriges Mädchen aus Ohio, das zu erblinden droht, den Papst traf

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Am Tag be­vor sie den Papst tref­fen soll­te, saß Eliz­a­beth My­ers, fünf Jah­re alt, Spitz­na­me Liz­zy, im Ter­mi­nal des gro­ßen Flug­ha­fens von Chi­ca­go und wein­te. Der Flie­ger in Rich­tung Rom hat­te ge­ra­de ohne sie und ihre Fa­mi­lie ab­ge­ho­ben, und Liz­zy be­griff, dass sie zu spät zur Au­di­enz auf dem Pe­ters­platz kom­men wür­den. Für das Mäd­chen aus Lex­ing­ton, Ohio, war der Papst, der „gro­ße Mann mit dem wei­ßen Haar und dem wei­ßen Hut“, ähn­lich ge­heim­nis- und ver­hei­ßungs­voll wie der Weih­nachts­mann. Und nun fiel die Be­sche­rung aus. Doch spä­ter, im Ho­tel­zim­mer, wa­ren die Trä­nen schnell ver­ges­sen, sie mampf­te Piz­za, der Dis­ney Chan­nel lief.Nur ihre El­tern, Chris­ti­ne und Ste­ven My­ers, gräm­ten sich. Sie fürch­te­ten, Liz­zys Lis­te der Er­in­ne­run­gen wür­de um ei­nen wich­ti­gen Ein­trag är­mer aus­fal­len.


DER SPIEGEL 21/2016

Barbie rettet Afrika

Jedes Jahr reisen Tausende junge Menschen aus dem Westen in Länder der Dritten Welt, weil sie helfen wollen. Ein Fotoprojekt karikiert diesen Elendstourismus.

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Eine wei­ße Bar­bie­pup­pe steht im Dschun­gel, legt ei­nen Arm um ein schwar­zes Kind und lä­chelt. Die Bild­un­ter­schrift lau­tet: „Mit Wai­sen macht man die bes­ten Fo­tos! So süß.“
Christine Luz, Takis Würger

DER SPIEGEL 18/2016

Saugut!

 Im Discounter ist das Kilogramm Fleisch schon für unter fünf Euro zu haben, bei Jochen Bodemer muss man mindestens 14 Euro berappen. Dennoch sind Schnitzel oder Krustenbraten bei ihm schnell vergriffen. Die Erfolgsgeschichte eines schwäbischen Biobauern.
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Statt eines Namens hatte das Rind nur eine Schlachtnummer. Ein Stück von 1028 hat sich Jochen Bodemer gerade auf die Schulter gewuchtet. Hinterviertel, groß und blutig. Es ist früher Samstagmorgen, draußen ist es neblig und kühl, im Schlachthaus eisig. Bodemer hängt die Fleischkeule an einen blanken Haken. An seiner Metzgerschürze bleibt ein roter ­Abdruck zurück. Vor zwei Tagen stand 1028 noch bei ihm im Stall. Zwei Jahre lang hat er das Rind großgezogen.
Erschienen in der Stuttgarter Zeitung 22. April 16

 

Bruddler und Quäker

Der Manager, der seine Firma überregional präsentieren soll. Der Verkäufer, den die Kunden zwar nett anlächeln, aber nicht verstehen: Ariane Willikonsky gewöhnt ihren Schülern das Schwäbischschwätzen und das Badischbabbeln ab.
STZ
Dorothee Schneider will ohne Dialekt sprechen. Endlich. Nicht leicht in einem Bundesland, wo Breschdlengs-Gsälz aufs Weggle kommt, Gscheidle und Driebl leben und die Menschen angeblich alles können – außer Hochdeutsch. Deshalb hat sie sich Hilfe gesucht. Ariane Willikonsky ist Sprachtrainerin und sehr gefragt. Schauspieler bereitet sie auf Auftritte vor, Topmanager heilt sie vom Nuscheln, und selbst Ministerpräsident Winfried Kretschmann trainiert bei ihr seine Stimmbänder. Und dann gibt es noch die Schwaben und Badener, die endlich „Dialektfrei Deutsch sprechen“ wollen.
Erschienen in der Stuttgarter Zeitung 06. April 16

 

Träume aus Trümmern

Der Spiegel veröffentlichte unser Reporter-Projekt über die Elfenbeinküste als
Multimedia-Reportage

Spiegel Weitwinkel Träume aus Trümmern

Gewalt und po­li­ti­sche Kri­sen ha­ben die El­fen­bein­küs­te von 2002 an ge­prägt. Nun scheint das Land be­frie­det. Ge­ra­de wur­den wie­der Wah­len durch­ge­führt, die Wirt­schaft er­holt sich – doch vie­le Wun­den sind nach wie vor nicht ver­heilt. Schü­ler der Zei­ten­spie­gel-Re­por­ta­ge­schu­le reis­ten in die ehe­ma­li­ge Re­bel­len­hoch­burg Bouaké und gin­gen dort der Fra­ge nach: Wo­von träumt eine Stadt, die jah­re­lang in ei­nem Alb­traum ge­lebt hat?

 

Ein Affe aus dem Schwarzwald

Die Ferienregion Schwarzwald ist nicht nur bei Touristen beliebt, sondern auch bei Unternehmen. Das Beispiel des Gins „Monkey 47“ zeigt, wie mit einem Mythos Geschäft gemacht werden kann

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Die Erfolgsgeschichte von Alexander Stein begann mit einer Schnapsidee. Wacholderschnaps, um genau zu sein. Stein war damals Manager bei Nokia in den USA – und auf der Suche nach einer neuen Aufgabe. Was er fand, war eine Legende, die ihn nach 19 Jahren zurück nach Deutschland brachte: ein Rezept für Gin, hergestellt nicht irgendwo, sondern im Schwarzwald.

Erschienen in der Südwest Presse 21. Juli 15

Der Sachkundige

Wohin, wenn etwas kaputtgeht? In Berlin gibt es dafür seit fast vierzig Jahren den Tausendteilemann
Mr. tausend TeileBei Hausnummer 79 in der Bundesallee in Berlin-Friedenau geht es eine steile Rampe hinunter, am Ende ist ein Laden: „Mr. 1000 Teile“ steht über dem Eingang. Wer durch die schmale Tür tritt, dem wird der Weg von deckenhohen Regalen versperrt. Von einigen hängen Staubsaugerschläuche, die sich wie Fangarme herunterschlängeln, dazu Seile und Draht, Reifen und Kabel, Bänder und Binder – ein Dschungel im
Souterrain. Mister-tausend-Teile? Besser noch: Mister-eine-Million.

Erschienen in der taz. am Wochenende 20./21. Juni 15

Wo ist eigentlich Hermann?

Der Kettenbriefkuchen Hermann war schon ein Community-Cake, als es das Netz noch nicht gab. Eine Wiederbelebung

Wo ist Hermann
Hermann ist kein Name, Hermann ist eine Legende. Ein Casanova, der sich in den 1980er Jahren in die Herzen und Küchen vieler Frauen – und Männer – schlich. Etwas blass, schwabblig, mit strengem Geruch kam er daher. Kein Schönling, aber zäh und auf seine Art charmant. Meist tauchte er überraschend auf, blieb mehrere Tage, der Abschied war süß. Heute ist er nur noch ein Abklatsch seiner selbst. Sein Name geistert durch Internetforen, beflügelt die Fantasie ehemaliger Liebhaber. Wer war er, dieser Herman
n?

 

Erschienen in der taz. am Wochenende 9./10. Mai 15

 

Odysee Europa

Flucht und Zuflucht seit 1945
Die Zeitenspiegel-Reportageschule veröffentlichte zusammen mit Magnum Photos einen Fotoband zum Thema Flucht.

Ich schrieb die Hintergrundtexte zu den Fotos von Paolo Pellegrin.


Odyssee-europa.net

Einfacher wäre, ihn zu vergessen

Sie wollen ein Kind. Er kann es nicht zeugen. Irgendwann bestellen Sonja und Mathias das Sperma eines Fremden

Samenspende_tazEs gibt diesen einen Satz, bei dem er schlucken muss: „Ihr Sohn sieht Ihnen so ähnlich.“ Mathias hört ihn oft. Das kann nicht sein, denkt er dann. Max ist nicht sein Kind. Mathias’ Frau kennt den Namen des Mannes nicht, von dem sie schwanger wurde, sie hat ihm nie in die Augen gesehen, ihn nie geküsst. Sie hat nie mit ihm geschlafen. Max ist aus einer Samenspende entstanden.

Erschienen in der taz. am Wochenende 21./22. März 15

„Eine Frau ist stark – wenn sie will“

Die Wrestlerin Anna Konda kämpft in ihrem „Female Fightclub“ für ein neues Frauenbild. Auch beim Kämpfen ist es ihr wichtig, sexy zu sein
Anna Konda
Ein Gewerbegebiet in Berlin-Marzahn, 45 Gebäude, mehr als 140 ansässige Unternehmen, Tischlerei, Rohrreinigungs-Firma, Sarggroßhandel. Der Asphalt des Gehwegs ist an vielen Stellen aufgesprungen. Ein Lastwagen rollt vorbei, dann wieder Stille. Hier betreibt die Wrestlerin Anna Konda den „Female Fightclub“, einen privaten Treffpunkt für starke Frauen.


Erschienen in der taz. am Wochenende 21./22. Februar 15

 

Mein Süßtönender, mein Spatzerl

Eva Wyss hütet das Liebesbriefarchiv in Koblenz. Weder Telefon noch Internet konnten den Herzensbotschaften den Garaus machen. Im Gegenteil

 

Liebesbriefarchiv_tazDie Liebe ist gut versteckt. Die Liebe lagert in großen grauen Aktenschränken zwischen meterhohen Bücherregalen. Die Liebe ist nummeriert, transkribiert, archiviert. Abgelegt in herzensroten Schubern finden sich seitenweise heiße Schwüre, Schwärmereien, freundschaftliche Zuneigungsbekundungen. Fast 9.000 Liebesbriefe ruhen fern von den für sie bestimmten Empfängern im Liebesbriefarchiv der Koblenzer Universitätsbibliothek, dem einzigen deutschlandweit.


Erschienen in der taz. am Wochenende 14./15. Februar 15

 

Die Retterin vom Belchen

Bereits als Kind kam Annika Stoll zur Bergwacht, seither verbringt sie fast jeden freien Tag bei Übungen und Einsätzen im Südschwarzwald


Bergretterin
Annika Stoll hat den Boden unter den Füßen verloren. Unter ihr tut sich ein Abgrund auf, vor ihr eine steile Felswand, ihr Leben hängt an einem Kletterseil. Zwei Meter noch. Sie gleitet weiter abwärts, stößt sich mit den Füßen am Felsen ab. Ruppiges Gestrüpp reißt an ihrer Jacke, ihrer Hose. Einen Meter noch. Dann sieht sie ihn. Eingekeilt zwischen einer kleinen Fichte und nacktem Stein kauert ein Junge – abgestürzt.


Erschienen in der Stuttgarter Zeitung Nr. 12/2015