Reportage
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Saugut!
Im Discounter ist das Kilogramm Fleisch schon für unter fünf Euro zu haben, bei Jochen Bodemer muss man mindestens 14 Euro berappen. Dennoch sind Schnitzel oder Krustenbraten bei ihm schnell vergriffen. Die Erfolgsgeschichte eines schwäbischen Biobauern. Statt eines Namens hatte das Rind nur eine Schlachtnummer. Ein Stück von 1028 hat sich Jochen Bodemer gerade auf die Schulter gewuchtet. Hinterviertel, groß und blutig. Es ist früher Samstagmorgen, draußen ist es neblig und kühl, im Schlachthaus eisig. Bodemer hängt die Fleischkeule an einen blanken Haken. An seiner Metzgerschürze bleibt ein roter Abdruck zurück. Vor zwei Tagen stand 1028 noch bei ihm im Stall. Zwei Jahre lang hat er das Rind großgezogen. Erschienen…
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Bruddler und Quäker
Der Manager, der seine Firma überregional präsentieren soll. Der Verkäufer, den die Kunden zwar nett anlächeln, aber nicht verstehen: Ariane Willikonsky gewöhnt ihren Schülern das Schwäbischschwätzen und das Badischbabbeln ab. Dorothee Schneider will ohne Dialekt sprechen. Endlich. Nicht leicht in einem Bundesland, wo Breschdlengs-Gsälz aufs Weggle kommt, Gscheidle und Driebl leben und die Menschen angeblich alles können – außer Hochdeutsch. Deshalb hat sie sich Hilfe gesucht. Ariane Willikonsky ist Sprachtrainerin und sehr gefragt. Schauspieler bereitet sie auf Auftritte vor, Topmanager heilt sie vom Nuscheln, und selbst Ministerpräsident Winfried Kretschmann trainiert bei ihr seine Stimmbänder. Und dann gibt es noch die Schwaben und Badener, die endlich „Dialektfrei Deutsch sprechen“ wollen. Erschienen…
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Der Sachkundige
Wohin, wenn etwas kaputtgeht? In Berlin gibt es dafür seit fast vierzig Jahren den Tausendteilemann Bei Hausnummer 79 in der Bundesallee in Berlin-Friedenau geht es eine steile Rampe hinunter, am Ende ist ein Laden: „Mr. 1000 Teile“ steht über dem Eingang. Wer durch die schmale Tür tritt, dem wird der Weg von deckenhohen Regalen versperrt. Von einigen hängen Staubsaugerschläuche, die sich wie Fangarme herunterschlängeln, dazu Seile und Draht, Reifen und Kabel, Bänder und Binder – ein Dschungel im Souterrain. Mister-tausend-Teile? Besser noch: Mister-eine-Million. Erschienen in der taz. am Wochenende 20./21. Juni 15
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Einfacher wäre, ihn zu vergessen
Sie wollen ein Kind. Er kann es nicht zeugen. Irgendwann bestellen Sonja und Mathias das Sperma eines Fremden Es gibt diesen einen Satz, bei dem er schlucken muss: „Ihr Sohn sieht Ihnen so ähnlich.“ Mathias hört ihn oft. Das kann nicht sein, denkt er dann. Max ist nicht sein Kind. Mathias’ Frau kennt den Namen des Mannes nicht, von dem sie schwanger wurde, sie hat ihm nie in die Augen gesehen, ihn nie geküsst. Sie hat nie mit ihm geschlafen. Max ist aus einer Samenspende entstanden. Erschienen in der taz. am Wochenende 21./22. März 15